Die Lehre der Organstruktur

Mit der erstmaligen Einigung des chinesischen Reiches durch den ersten Kaiser der Qin–Dynastie, entstand ein völlig neues Staatsgefüge. Auch die Sicht des Körpers folgte diesen Angaben. Einzelne Organe waren schon seit langem bekannt, ebenso einzelne Gefässe, die den Körper durchzogen. Später wuchsen diese Einzelteile zusammen, und es entstand ein Organismus, in dem jedes Organ von allen anderen abhängig und auf vielfältige Weise an der Versorgung des grossen Ganzen beteiligt war. Sechs sogenannte Speicher (Lunge, Herz, Perikard, Milz, Leber, Niere) und sechs sogenannte Paläste (Dünndarm, Dickdarm, Magen, Gallenblase, Blase, Dreifacher Erwärmer) bilden dabei die zentralen Funktionseinheiten des Organismus. Im Mittelpunkt der chinesischen Vorstellungen von gesunden und krankhaften Vorgängen im Organismus stand ein komplexes System an Leitbahnen, das analog zu den Wasser– und Landstrassen des geeinten Reiches den gesamten Körper und die Gliedmassen mit den Speichern und Palästen durchzog und somit auch verband. Diese Struktur bildet das materialle Grundgerüst, die Funktion ist die Folge eines Energieflusses innerhalb dieses Grundgerüstes. Im chinesischen Denken sind Struktur und Funktion ein Kontinuum, sie werden nicht voneinander unterschieden.